Was ist Sambo?
SAMBO steht für „Samosaschtschita bes oruschija" - Selbstverteidigung ohne Waffen. Die Sportart entstand in den 1920er Jahren in der Sowjetunion aus der Verschmelzung von Judo, verschiedenen Ringkampfstilen und traditionellen Kampfkünsten. Heute ist Sambo vom IOC voll anerkannt und wird in über 120 Nationen auf fünf Kontinenten ausgeübt.
Die vier Disziplinen
Sport Sambo
Der Kern des Sambo: Würfe aller Art, Bodenkontrolle, Arm- und Beinhebel. Würgegriffe und Schläge sind verboten. Gekämpft wird in einer Kurtka (Jacke), Shorts und Sambo-Schuhen in Rot oder Blau.
Combat Sambo
Ähnlich modernem MMA: Zusätzlich zu Grappling-Techniken sind Schläge, Tritte, Ellbogen, Knie und Würgegriffe erlaubt. Kämpfer tragen Kopfschutz, Zahnschutz, Tiefschutz, Schienbeinschützer und leichte Handschuhe.
Beach Sambo
Die jüngste Variante: nur 3 Minuten Kampfdauer, ausschließlich im Stand auf Sand. Sieg beim ersten gewerteten Wurf. Die erste Beach-Sambo-WM fand 2021 statt - schnell und spektakulär.
Selbstverteidigung
Für Zivilisten konzipiert: Verteidigung gegen bewaffnete und unbewaffnete Angriffe. Seit 2025 existiert zusätzlich Sambo für Blinde und Sehbehinderte als offizielle FIAS-Disziplin.
Regeln im Überblick
Kampfdauer
5 Minuten für Senioren/Junioren. 4 Minuten für Jugend/Kadetten.
Totaler Sieg
Perfekter Wurf (Angreifer steht, Gegner auf dem Rücken), Aufgabe durch Hebeltechnik oder im Combat Sambo durch K.o.
Punktesystem
4 Punkte: Wurf auf Seite / 20s Halten. 2 Punkte: Wurf auf Brust / 10s Halten. 1 Punkt: Wurf mit eigenem Fall. 8 Punkte Vorsprung = vorzeitiges Ende.
Gewichtsklassen (Senioren)
Männer
Frauen
Geschichte des Sambo
Drei Gründerväter prägten den Kampfsport, der heute in über 120 Nationen praktiziert wird.
Wassili Oschtschepkow
Studierte als einer der ersten Ausländer Judo direkt bei Kanō Jigorō in Japan (2. Dan). Brachte Judo-Techniken in die Ausbildung der Roten Armee ein.
Viktor Spiridonow
Militäroffizier mit Hintergrund in griechisch-römischem Ringen und Jiu-Jitsu. Entwickelte einen weicheren Stil namens „Samoz“ und war der Erste, der den Namen „Sambo“ verwendete.
Anatoli Kharlampijew
Schüler Oschtschepkows. Systematisierte die Techniken und erreichte am 16. November 1938 die offizielle Anerkennung als Sportart.
Meilensteine
Entwicklung in der Sowjetunion aus Judo, Ringen und traditionellen Kampfkünsten
Offizielle Anerkennung als Sportart durch das Allunions-Sportkomitee der UdSSR
Sambisten gewinnen vier Bronzemedaillen im olympischen Judo in Tokio
Erste Weltmeisterschaft in Teheran, Iran
Gründung der FIAS (Fédération Internationale de Sambo) in Madrid
Gründung des Deutschen Sambo-Verbands e.V.
Provisorische IOC-Anerkennung für FIAS
Volle IOC-Anerkennung bei der 138. Session in Tokio
IPC-Anerkennung - Sambo für Blinde und Sehbehinderte als offizielle Disziplin
World Games in Karlsruhe - Sambo kommt nach Deutschland!
Sambo vs. Judo
Beide Sportarten teilen historische Wurzeln. Hier die wichtigsten Unterschiede:
| Merkmal | Sambo | Judo |
|---|---|---|
| Beinhebel | Erlaubt | Verboten |
| Würgegriffe | Nur Combat Sambo | Erlaubt |
| Beinangriffe | Erlaubt | Seit 2013 verboten |
| Kleidung | Kurtka + Shorts + Schuhe | Gi + Hose, barfuß |
| Rangsystem | Leistungsbasiertes Rating | Dan/Kyu-Gürtel |
| Olympisch | IOC-anerkannt | Seit 1964 |
| Verbreitung | ~120 Nationen | 200+ Nationen |